Auf der Suche nach neuen Wohnkonzepten für Ältere Waz 02/2011

WAZ.de, 25.02.2011 Irene Stock

Auf der Suche nach neuen Wohnkonzepten für Ältere
Haltern am See. Alte Menschen nennt man sie schon lange nicht mehr. Die Senioren von heute sind die „Generation 50 plus“. Der Begriff steht auch dafür, dass alte Leute nicht automatisch pflegebedürftig und tatterig sind, aber vor einem besonders Angst haben: einsam zu werden. Um dem zu begegnen, machen sich einige auf die Suche nach neuen Wohnkonzepten.
So wie der Verein „Leben in Nachbarschaft“, kurz LiNa genannt, in Haltern am See. Ursprünglich von 15 Personen gegründet, zählt der Verein heute 24 Mitglieder und ist seit Ende Januar 2011 gemeinnützig. Nun ist der Verein auf der Suche nach einem Haus oder Baugrundstück, idealerweise zentral in Haltern-Mitte gelegen. „Man muss den Marktplatz mit dem Rollator erreichen können“, ist für Horst Nolting wichtig. In etwa drei bis fünf Jahren, so hoffen die Mitglieder, ist das Projekt realisiert. Im Kreis Recklinghausen ist diese Initiative und Wohnform bislang einzigartig.
Selbstbestimmt leben
Vera und Horst Nolting, 68, beide Mitinitiatoren des Projektes, umreißen die Vorstellungen der Mitglieder: „Wir wollen selbstbestimmt und in Eigenverantwortung leben, solange es möglich ist.“ Das Ehepaar wohnt in einem Eigenheim in Hullern, die drei Kinder sind weit weggezogen. Noch bietet das Dorf alle Annehmlichkeiten des Landlebens: Ruhe, die Natur vor der Haustür, soziale Kontakte, den Bäcker um die Ecke. Aber es gibt weder einen Arzt, noch eine Apotheke. „Man ist auf das Auto angewiesen“, sagt Vera Nolting. Und wer hilft, wenn das große Haus und der große Garten irgendwann zur Belastung werden? Ein Sohn ist kürzlich in ein Mehrgenerationenhaus eingezogen. „Das finde ich toll“, sagt Horst Nolting. Leider in Mannheim.
Die Hausgemeinschaft in Haltern am See sollte mindestens zwölf bis 15 Parteien umfassen, die Wohnungsgrößen zwischen 50 qm für Singles und 100 qm für Paare rangieren. „Wir sind kein Altenheim, jeder hat eine eigene Küche“, umreißt Vera Nolting ganz klar die Raumaufteilung im Haus. Dennoch soll es einen Gemeinschaftsraum geben. Dort könnten sich die Bewohner zu Kaffee und Kuchen, zu Vorträgen oder zum Fest treffen. Wer eine gewisse Distanz braucht, sollte kein Hehl daraus machen.
Geplant ist, einige Wohnungen mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren, damit Bewohner mit Wohnberechtigungsschein einziehen können. „Wir wollen keine soziale Ausgrenzung aufgrund von Einkommensverhältnissen“, sagt Horst Nolting.
Nicht fehlen dürfe eine Gästewohnung mit Übernachtungsmöglichkeit für Kinder und Enkelkinder. Eine weitere Planungsvorgabe: Keinem Bewohner gehört eine Wohnung. Dahinter steht die Sorge, dass im Fall von Erbschaftsstreitigkeiten das Projekt auseinander brechen könnte.
Über die Finanzierung des 3-Mio-Euro-Projektes besteht noch keine Klarheit. Angedacht ist ein Genossenschaftsmodell mit Anteilsscheinen in Höhe von 500 Euro, für das sich auch Mitglieder gewinnen lassen, die selbst nicht in das Haus ziehen. Das Investorenmodell ist zwar nicht ausgeschlossen, hat aber Kritiker, weil die Bewohnergemeinschaft möglicherweise kein Mitspracherecht bei der Wahl neuer Mitbewohner hätte.
Ob die Gemeinschaft auch in schwierigen Lebenssituationen trägt, werde sich zeigen, sagt das Ehepaar Nolting. Um das Wir-Gefühl zu stärken und „sich gegenseitig besser kennen zu lernen“, planen die Bewohner in spe monatliche Treffen am Stammtisch, am Grill oder mit dem Fahrrad. „Wichtig im Zusammenleben ist, dass man weiß, worauf man sich einlässt. Dann ist die Unsicherheit weg und man fühlt sich besser.“

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